Samstag, 28. November 2015

Wahre Aussagen einer Jobcenter-Mitarbeiterin

Genauso läuft Leiharbeit nach unserer Erfahrung


Bericht einer Jobcenter-Mitarbeiterin, den sie Inge Hannemann geschickt hat. Die hat diesen Bericht, den Jürgen und ich aus eigener Erfahrung durchaus bestätigen können, in ihrem Blog veröffentlicht. Es lohnt sich, sich das mal von vorne bis hinten durchzulesen, und zwar für alle, die nicht von Hartz-IV-Aufstockbeträgen abhängig sind und deshalb noch keine eigenen Erfahrungen damit haben, um sagen zu können, das was da gesagt wird, stimmt wirklich.

Ich habe vor vielen Jahren mal ein Jahr einen Nebenjob in einem Call-Center gehabt.

Ich bin dann während der Zeit, als ich Hartz IV bekommen habe, ständig genötigt worden, auch wieder im Call-Center zu arbeiten, und zwar wird man da mehrmals unterverliehen. Zuerst kriegt ne Firma Geld dafür, und das paar Tausend Euro Prämie, die einen vermittelt, und zwar an ein Leiharbeitsunternehmen. Die verleihen einen dann weiter an das Call-Center, für das man auch nicht direkt arbeitet, sondern da dann für deren Auftraggeber und irgendein Zeitprojekt. Dieses Zeitprojekt läuft allerhöchstens ein halbes Jahr und man wird saumäßig dafür bezahlt.

Es wird immer gesagt, das sei Inbound, ist aber in Wirklichkeit Outbound .. also eine Tätigkeit, die sogar verboten ist. Man darf heute nämlich nicht mehr planlos anrufen und versuchen, Menschen irgendwas am Telefon zu verkaufen, das die weder brauchen noch haben wollen.

Häufig ist das dann noch mit Probearbeit verbunden. Das heißt, man telefoniert paar Tage oder Wochen komplett umsonst und kriegt dann gleich Bescheid, dass sie einen nicht gebrauchen können, weil man ja kein Talent für den Job hat, da zu wenig verkauft.

Verkauft mal so einen Mist? Jeder normale Mensch knallt wütend den Hörer auf, wenn er solche bescheuerten Anrufe kriegt .. die kriegten auch wir ja heute noch ständig. Ihr sicher auch öfter, oder nicht?
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Schaut man beim Jobcenter auf die Seite, findet man fast nur Zeitarbeit .. oft für ein- und dieselbe Stelle zig verschiedene Leiharbeitsvermittler .. dann auch manchmal sogar den echten Arbeitgeber, wenn man sucht .. den aber schwer. Das ganze wird dann als 8 - 10 freie Stellen deklariert, ist aber in Wirklichkeit nur ein Job, an dem nur zig dieser Firmen versuchen, sich ne goldene Nase zu verdienen.
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Man muss sich ständig dagegen wehren, nicht wieder in solche Jobs vermittelt zu werden, denn man kriegt vom Jobcenter ja so gut wie nichts anderes zugeschickt. Nur diesen Betrug, der keinen von uns weiterbringen würde, weil es sich nicht lohnt, das was wir jetzt tun, für sowas aufzugeben .. was bringt einem ein halbes Jahr??? Doch gar nichts.

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Leiharbeit bei Jürgen, was man ihm damals als die Chance vermittelt hat, wieder in den Beruf rein zu kommen, sah definitiv so aus, dass er auch diese in diesem Link genannte Zusatzklausel unterschreiben musste .. und auf dieser Zusatzklausel ist er über 3 Jahre lang nur als Hilfsarbeiter verliehen worden .. körperliche Schwerstarbeit sehr oft, Schichtdienst sowieso .. nichts, das nicht erforderlich gemacht hätte, immer ein fahrbereites Auto, ein aufgeladenes Handy .. ne farbige Druckpatrone und nen Drucker zu haben, wo man die Straßenkarten ausdrucken konnte, damit Jürgen mitten in der Nacht auch zu solchen Einsatzorten hin findet.

Urlaub planen .. auch nur mal nen schönen Abend, eine Feier mit Freunden oder der Familie .. selbst am Wochenende .. Pustekuchen. Ein Leiharbeiter ist wie ein Sklave, der ständig nen Anruf kriegen kann, dass er wieder los muss sonstwohin .. sogar sonntags, wenn er gerade vor ein paar Stunden glücklich vom letzten Einsatzort nach Hause gekommen ist.

Urlaub wird einem dann aufgezwungen, wenn nichts zu tun ist. Genauso ist es mit den Überstunden, die auf ein Zeitkonto gehen und nicht bezahlt werden. Die wurden dann zwangsweise "abgebummelt", wenn gerade keine Aufträge da waren. Ich konnte meinen Job mit Jürgens in keiner Weise absprechen, dass man mal gemeinsam frei gehabt hätte unter solchen Umständen. Was bei Randstad im Vertrag steht, kann man in die Tonne treten .. es wird sich nicht dran gehalten.

Als Jürgen dann mal länger krank wurde, haben sie ihn sofort entlassen und ihm sogar unterstellt, er spielt krank. Er hatte davor wochenlang immer mal wieder wechselweise in einer Scheibenfabrik oder im Lager gearbeitet und sich ne fiese Sehnenscheidenentzündung dabei zugezogen, die ausheilen musste.

Sowas darf sich ein Leiharbeiter klar nicht erlauben.

Als er wieder gesund war, wollten die ihn tatsächlich wieder einstellen. Er hat dankend abgelehnt und das vorm Jobcenter auch begründet .. weil er eben nicht bzw. nie !!!!! auch nur einige Tage in seinem Beruf als CTA verliehen worden ist .. obwohl man ihn zu Anfang als CTA eingestellt hat. Weil Urlaub planen, überhaupt irgendwan planen, in keiner Weise möglich war, solange Jürgen diese Leiharbeit bei Randstad hat machen müssen.

Wehrt man sich ... gibt es Sanktionen ... und Sanktionen können in Deutschland tödlich sein, das weiß jeder.

Ich finde gut, dass Frau Hannemann auf diese Zustände aufmerksam macht, die nunmal genauso sind, seit wir Hartz IV haben.


LG Renate

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